Antworten und Tipps zur Frage
War der 17. Juni.1953 ein erfolg für die bürger ost-deutschlands ?
Frage von anonym (12.05.2009 | 11:45)
Nein. Kulturpolitisch hatte der Aufstand verheerende Folgen. Wurde gezielt gegen Künstler&Schriftsteller einschüchternd eingesetzt. LG hiogi

Quelle:
Antwort von bbweb (12.05.2009 | 12:00)
und Bestätigung von Zeitspeicher (12.05.2009 | 12:01)
Bewertung: positiv
Kommentar: keiner
Ergänzungen
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bbweb schrieb am (12.05.2009 | 12:00):
(Berlin/dpa) - Die dramatischen Ereignisse der Tage um den 17.
Juni 1953 in der DDR haben nicht nur die SED-Funktionäre verstört,
sondern auch die Schriftsteller und Künstler irritiert und teilweise
überfordert. Das zeigen die Reaktionen von Bertolt Brecht, Thomas
Mann oder Stefan Heym. Er schrieb später darüber sogar einen - in der
DDR «wegen seiner völlig falschen Darstellung der Ereignisse» nie
erschienenen - Roman mit dem Titel «Der Tag X», geändert in «5 Tage
im Juni». Wie naiv selbst Thomas Mann auf die Ereignisse reagieren
konnte, belegt seine Tagebucheintragung über die «Arbeiter-Revolte»
in Ost-Berlin, «von russischen Truppen schonend niedergehalten,
Panzer und Schüsse in die Luft».
Kulturpolitisch hatte der Aufstand verheerende Folgen, denn das
Trauma wurde gezielt lange Zeit auch gegen Künstler und
Schriftsteller erfolgreich einschüchternd eingesetzt. Nach dem 17.
Juni wurden wie in der Wirtschaftspolitik Fehler vorübergehend
korrigiert, die Zügel etwas lockerer gehalten, nach dem Ungarn-
Aufstand 1956 aber wieder angezogen, nach dem Mauerbau 1961 in Berlin
wieder gelockert und 1965 nach «zersetzenden» Filmen, Büchern und
Theaterstücken mit einer ganzen «Verbots-Orgie» wieder angezogen
(«Spur der Steine»).
1971 nach Erich Honeckers Machtantritt schien es den Künstlern
wieder einmal etwas besser zu gehen, weil es laut Honecker «keine
Tabus» geben sollte. Wie ernst das gemeint war, zeigte er mit dem
Rausschmiss des widerborstigen Liedermachers Wolf Biermann 1976, der
allerdings einen heftigen künstlerischen Aderlass zur Folge hatte.
Die Probleme waren über 40 Jahre immer dieselben und wurden schon
in vertraulichen Dokumenten der damaligen (Ost-) Deutschen Akademie
der Künste (der späteren Akademie der Künste der DDR) beim Namen
genannt: Die Unzufriedenheit der Schriftsteller und Künstler über die
Gängelung durch Partei und Regierung.
So heißt es in Akademie-Protokollen vom 16. Januar 1953, also noch
vor den Ereignissen am 17. Juni, unter anderem: «Bertolt Brecht wehrt
sich gegen bürokratische Behandlung durch die Kunstkommission», die
Tänzerin Palucca sei «schwer verstimmt», weil man sie als Fachkraft
nicht schätze und der Komponist (unter anderem der DDR-Nationalhymne)
Hanns Eisler sei «vollkommen erschlagen» wegen Bemerkungen im SED-
Zentralorgan «Neues Deutschland» und wolle sich zurückziehen.
Der Maler Otto Nagel äußert «zeitweise eine tiefe Depression, die
ihre Ursache in einer Verständnislosigkeit, wie er es ausdrückt, für
Kunst und Künstler hat». Und Heym, der sich in jenen historischen
Junitagen seiner eigenen Erinnerung nach empört über «diese Arbeiter,
diese Partei, diese Gewerkschaften, diesen Verband, überhaupt über
die Deutschen», wird in seiner 1988 erschienenen Autobiografie
(«Nachruf») seine «Politische Publizistik» mit dem Titel «Stalin
verlässt den Raum» eine «Abrechnung mit dem einstigen Idol und der
eigenen Verblendung» nennen.
Auch nach dem 17. Juni, der zunächst eine deutliche Verunsicherung
im SED-Apparat auch gegenüber den Künstlern verursachte und zur
Bildung eines eigenen Kulturministeriums mit Johannes R. Becher an
der Spitze führte, wurde es nicht viel besser. Brecht, der in seinen
Notizen die «Richtungslosigkeit und jämmerliche Hilflosigkeit» der
Arbeiterrevolte beklagte, war tief zerrissen. Einerseits notierte er
in seinem Arbeitsjournal «Der 17. Juni hat die ganze Existenz
verfremdet», andererseits schrieb er dem SED-Chef Walter Ulbricht
noch am 17. Juni eine Ergebenheitsadresse.
Brechts Art einer «inneren Opposition» jedenfalls war, wie
Weggefährten damals meinten, mit einem einzigen «Faustschlag», wie er
den Arbeiteraufstand auch nannte, zu einer grotesken Illusion
geworden. Günter Grass schrieb darüber ein 1966 uraufgeführtes
Parabel-Stück «Die Plebejer proben den Aufstand», ein «deutsches
Trauerspiel», das die Haltung vieler Dichter und Intellektueller
widerspiegelt, die vor der politischen Wirklichkeit zurückschrecken.
Der große alte Mann des frühen politischen Avantgarde-Theaters,
Erwin Piscator, war verstört über den 17. Juni und forschte in seinem
Tagebuch vergeblich nach den «Ursachen der Berliner Tage», erkannte
aber: «Den Wissenschaftlern und Künstlern verschwimmen die Ziele.»
Realistischer sah das im Juni 1953 der damals von Erich Loest
geführte Leipziger Schriftstellerverband in einer Resolution: «Wir
wehren uns gegen unwahre, lückenhafte und beschönigende Information» heißt es da - eine Forderung wie sie wörtlich im «deutschen Herbst» 1989 wieder auf die Tagesordnung kam. Für Loest
(«Völkerschlachtdenkmal») kam das zu spät - er saß sieben Jahre im
Zuchthaus Bautzen.
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Zeitspeicher schrieb am (12.05.2009 | 12:01):
http://de.wikipedia.org/wiki/17._Juni_1953
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Zeitspeicher schrieb am (12.05.2009 | 12:06):
Was soll der Scheiß? Die Frage ist hinreichend beantwortet. sogar noch mit einer weiteren Quelle.
Neutral ohne Begründung ist einfach nicht gerechtfertigt: @hiogi: Bitte ändern.
Ergänzung schreiben: